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Der entschwundene Mann
Sonne Haus 12

Sybill, (Sternzeichen: Fische) eine erfahrene Frau im besten Alter, lernte nun schon wieder einen Mann kennen, dessen Sonne im 12. Haus stand. Verwundert fragte sie sich, was das denn wieder für eine Lernaufgabe sei. Spuckte da ihr laufender Neptun am DC mit seiner Art, die Begegnung als solche zu verklären, nach bester Fischemanier herum?

Die vergangenen eineinhalb Jahre hatten sie doch gelehrt, dass ein Zwölfthäusler immer auf die eine oder andere Art entschwindet. Zunächst gab es da die ganz legitime Flucht in die Arbeit. Dies verstand Sybill sogar, da sie selbst sehr viel Zeit mit Arbeit verbrachte. Dann ging ihr Zwölfthäusler auch mal für kurze Zeit ins Ausland. Auch das ertrug sie als leidensfähige Fischefrau. Als er zurückkam, heimat- und revierlos, brachte sie das größte Opfer und teilte sich mit ihm eine Wohnung. Sybill dachte, dass er ihr so nicht so leicht entkam. Eine gute Zeit lang genossen die beiden vor allem ihre seelische Nähe und hätten sich fast aufgelöst darin. Sie teilten alles, sogar den Schreibtisch. Der schnöde Alltag trat schleichend ein. Die Realität wurde für ihn unerträglich. Lieber saß er träumend auf seiner Wolke und ließ die Welt außen vor. Er arbeitete viel und in der wenigen freien Zeit, beschäftigte er sich am PC. Lass ihn, dachte sich Sybill. Sie wusste doch, dass er seine kleinen Fluchten brauchte. Fasziniert und fassungslos beobachtete sie jedoch, wie sich ihre einmal da gewesene Nähe veränderte. Im Zusammenleben trat immer mehr Distanz auf. Es war ein schleichender, neptunischer Prozess. Sie stritten sich nicht und es war auf geheimnisvolle Weise sehr friedlich zwischen den beiden. Sie schwammen beide im Meer der nicht definierten Gefühle und entfernten sich voneinander. Sybill aber, eine alte Kämpferin wollte so leicht nicht aufgeben.

Sie provozierte ihn, um ihn herunterzuholen von seiner Wolke. Sternchen, sagte sie, so kann es nicht weitergehen. Wir müssen leben ? ganz real! Dies ? real? wollte Sternchen jedoch gar nicht hören. Klammheimlich unterzeichnete er einen Mietvertrag für eine Wohnung und beichtete es Sybill nach begangener Tat.

So entschwand er ganz friedlich ohne großen Eklat aus Sybills Leben. Ob sie diese Erfahrung wiederholen wollte? Das steht in den Sternen.

Erschienen am 20.2.2005 bei www.astrologie.de


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      © 2005 Sabine Reichart